Gedichte zum Traurigsein


Die Blätter fallen wie Vögel fliegen.
Sie schwärmen aus.
Doch kehren sie nicht zurück.
So fällt die Zeit von uns.
Wir unterliegen.
Und merken spät:
Auch wir sind zu besiegen.

                             Eva Strittmatter


Ach wäre es doch nur ein Traum
und ich könnte erwachen,
du würdest zu mir rüberschaun,
und wir würden morgens wieder lachen.
Gingst du noch einmal durch den Garten
mit schnellem Gang,
ich würde auf dich warten, stundenlang.

                              Theodor Fontane


Ich sah es als ein Wunder an,
was ich an dir gewonnen,
mein Leben großen Wert gewann,
bis dass es nun zerronnen.


Das große Wunder ist verblichen,
du warst für mich der Quell der Kraft,
ich habe nichts mit dir verglichen,
es hätte doch kein Mensch geschafft.


Jetzt muss ich kleine Wunder sehen
Und was am Wegrand lebt und steht,
weil deine Spuren bald verwehen,
weil sich die Erde weiter dreht.


Bis sich die kleinen Wunder mehren,
bis dass ein Hoffen mich ergreift,
so lange kann ich nicht verwehren,
dass mich ein Hauch des Abschieds streift.

                                   Klaus Ender


Es reißt der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein,
war Teil von uns’rem Leben,
drum wird grad dieses eine Blatt allein
uns immer wieder fehlen.


                                    Verfasser uns nicht bekannt


Leben ist wie Schnee,
du kannst es nicht bewahren.
Trost ist, dass du da warst.
Stunden, Monate, Jahre.

                                      Hermann van Veen


[zurück zur Auswahl]